Brainstorming im Ettringer Gemeinderat
Kommentar zu TOP 1 der Niederschrift vom 12.07.2010
"Früher war die Zukunft auch besser …" (Karl Valentin)
Die Mindelheimer Zeitung plant derzeit eine Ranking – Serie über das Erscheinungsbild von Gemeinden in ihrem Lesergebiet.In diesem Zusammenhang wurden den Gemeindevertretern in Ettringen folgende Fragen gestellt:
1. Wo liegen die Stärken in Ihrer Gemeinde
2. Wo sind die Schwächen Ihres Ortes
3. Wo steht Ihr Ort in 10 Jahren
Laut O-Ton Sitzungsniederschrift entfesselte der Bürgermeister daraufhin – nomen est omen- ein heftiges Brainstorming zu diesen Fragen in der Gemeinderatssitzung.
Im Ergebnis erwies sich der Sturm, wie so oft, als eher laues Lüftchen der Stärke 2. Während der Braintrust unter Punkt 1 durchaus einige positive Beiträge vermelden konnte, förderte der Punkt 2 massive Minuspunkte zutage:
a) Abhängigkeit von einem großen Konzern
b) abnehmende Kinderzahlen
c) Abwanderung von Familien
d) Gebäudeleerstand
In einer zukunftsorientierten Kommune müssten bei der Feststellung solcher latent gefährlichen Fakten sämtliche Alarmglocken laut schrillen und es wäre anzuraten, dass der Bürgermeister ein weiters Brainstorming anberaumt und zusammen mit seinem Braintrust in die Ursachenforschung über diese sichtbar negative Entwicklung einsteigt.
Die BI kann hierzu einige wichtige Hinweise besteuern:
1. Aufgrund der bereits vorhandenen, dauerhaften und nicht hinreichend analysierten Umweltbelastung im Ortsbereich (Schadstoffimmission, Industrieschnee, Lärm, Gestank, Verkehrsbelastung) und im Hinblick auf die geplante Müllverbrennung, kann es niemand jungen Paaren verdenken, wenn sie ihren Kinderwunsch verschieben oder ganz darauf verzichten.
2. Dieselbe Motivation gilt auch für die Abwanderung von Familien: verantwortungsbewusste Eltern wollen dafür sorgen, dass ihre Kinder nicht über Jahre hinweg der schon vorhandenen Umweltbelastung und evtl. dem fall out der geplanten Müllverbrennung ausgesetzt sind. Sie werden nach Möglichkeiten suchen um ihre Kinder anderswo in einem gesündern Umfeld aufwachsen zu lassen. Diese Tendenz würde noch signifikanter zu tage treten, wenn nicht viele Familien durch Wohneigentum an den Ortsbereich gebunden wären. Trotzdem sprechen die Gebäudeleerstände eine deutliche Sprache. Die Folgen von Umweltverpestung auf die Gesundheit sind heutzutage weitgehend bekannt und wer will schon in einer bekanntermaßen belasteten Umgebung wohnen, geschweige denn dorthin umziehen!
3. Auch die Abhängigkeit von dem verursachenden Großbetrieb wird sich nicht so leicht durchbrechen lassen:
Seriös geführte, zukunftsorientierte Unternehmen mit sauberer Produktion meiden schon aus Imagegründen die Ansiedelung in der Nähe von industriellen Dreckschleudern. Sie werden sich dort auch nicht niederlassen, weil sie ihren, meist umweltbewussten und hochqualifizierten Mitarbeitern nicht zumuten können in der unmittelbaren Nähe einer Müllverbrennung zu arbeiten und zu leben. Außerdem befürchten sie hohe Krankenstände und starke Fluktuation im Personalbereich. Unter diesem Aspekt gesehnen beeinträchtigen die Müllverbrennungspläne auch rücksichtslos eine positive Entwicklung in den Nachbargemeinden.
4. In ihrer 10 Jahresprognose legen sich die Räte u. a. auf den Erhalt des ländlichen Charakters der Gemeinde fest. Für den kritisch denkenden Beobachter wäre es interessant zu er fahren, nach welchem Konzept diese Vorgabe realisiert werden soll, wenn im Bereich der Gemeinde die zweitgrößte industrielle Müllverbrennung gebaut wird? Mit all den bekannten negativen Begleiterscheinungen für Flora und Fauna und insbesondere für die Bauern, die ja in erster Linie den ländlichen Charakter der Region prägen .Langfristig können diese, durch die immer strenger werdende Produkthaftungsrichtlinie der EU, erhebliche Absatzprobleme für ihre Produkte bekommen, wenn sie sich im Einflussbereich einer umweltbelastenden Anlage befinden. Um den ländlichen Charakter zu erhalten, genügt es nicht dem Trachtenverein und der Blaskapelle Zuschüsse zu gewähren. Vielmehr muss die traditionelle naturnahe Kultur- und Gartenlandschaft erhalten bleiben und gefördert werden und die Existenz von Bio- und Milchbauern darf nicht gefährdet werden. Der Bau einer umweltgefährdenden industriellen Großanlage ist dabei mit Sicherheit der falsche Weg.
Sollte die Müllverbrennung trotz allen Widerstandes in Betrieb gehen ist folgende Prognose angesagt: In 10 Jahren wird kein Mensch die Gemeinde Ettringen mit den Attributen „kinder- und familienfreundlich mit gesundem ländlichen Charakter“ in Verbindung bringen. Der Assoziationsbegriff für die Gemeinde im Jahr 2020 wird lapidar auf die folgenden 4 Buchstaben reduziert sein:
MÜLL - (Verbrennung)
Unter dem Aspekt der immer deutlicher erkennbaren globalen und regionalen Klima- und Umweltschutzproblematik erscheint es nahezu unverständliche wie kurzsichtig und orientierungslos die Mehrheit der Ettringer Gemeindeverantwortlichen durch ihre Weichenstellung für die Müllverbrennung, die Sicherheit, die Lebensqualität und das positive Image einer ganzen Region rücksichtslos aufs Spiel setzt. Nur um einen Großkonzern bei der Gewinnmaximierung dienlich zu sein! Blauäugig in der trügerischen Hoffnung ein paar Brosamen von diesem Gewinn zu ergattern
Aber noch ist dieser Zug nicht abgefahren. Die Mitglieder und Freunde der BI werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um diese fatale Fehlentscheidung zu korrigieren.
C.Fiber
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