Müllverbrennung klimaschonend?
Geschrieben von: Redaktion Dienstag, den 01. Juni 2010 um 19:53 Uhr
Im "Weserkurier" wurde am 6.5.2010 ein neues Müllverbrennungswerk der swb in Bremen als "klimaschonend" und "regenerativ" in den Himmel gelobt. Die Anlage ist so groß, dass darin Strom für 200 000 Haushalte erzeugt werden soll. Der zu verbrennende Müll stammt also keineswegs nur aus Bremen und Umgebung, sondern wird importiert. Wolfgang Lange aus Bremen schrieb dazu nachfolgenden Leserbrief an die Bremer Tageszeitungen AG.
Er erschien am 20.5. in gekürzter Fassung – wir veröffentlichen ihn in voller Länge (abgedruckt wurde er bis "Kryo-Recycling").
Leserbrief zum Artikel „So wird aus Abfall Energie“ am 06.05.10
Im Bericht von Miriam Keilbach über das neue Müllverbrennungswerk der swb sind gravierende Fehler: So wird behauptet, diese Methode sei „klimaschonend“ und „auf Platz zwei der regenerativen Energien – nach der Windkraft“. Das ist vollkommener Blödsinn: Weder ist die Müllverbrennung klimaschonend, noch hat sie etwas mit regenerativer Energie zu tun. Und schlicht und einfach gelogen ist die Behauptung, dass „die Abfallverbrennung kaum Kohlenstoffdioxid produziert“. Das Gegenteil ist der Fall: Bei der Verbrennung des Mülls zusammen mit Erdöl entsteht extrem viel klimaschädliches CO-2-Gas. Als regenerative (= erneuerbare) Energie kann nur die Windkraft, die Sonnenenergie und die Wasserkraft bezeichnet werden. Dazu kommt noch die Biomasse, bei deren Verbrennung gleich viel CO-2 freigesetzt wird wie beim Wachstum der Pflanzen. Daher ist die CO-2-Billanz bei Biogas neutral.
Dasselbe über Hausmüll zu behaupten, ist eine grobe Irreführung der Verbraucher. Eine wirklich klimaschonende Behandlung des Mülls ist nur in einer Kreislaufwirtschaft möglich, wo alle Bestandteile getrennt und wiederverwertet werden. Ein sehr wirksames Verfahren dabei ist das „Kryo-Recycling“. Die Verbrennung hingegen ist eine Verschleuderung von Rohstoffen, auch wenn dabei Strom erzeugt wird. Und für die Umwelt und unser Leben ist sie nicht nur schädlich, weil dabei CO-2 freigesetzt wird, sondern auch, weil im Abgas, auch wenn es noch so viele Filter durchströmt hat, immer noch gefährliche Feinstäube enthalten sind. Gerade der ultrafeine Feinstaub ist aber besonders toxologisch angereichert. Er geht tief in die Lunge, da es dagegen keine Schutzmechanismen gibt und kann unmittelbar durch die Zellwand ins Blut gelangen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es keine wirklliche Eingangskontrolle für den angelieferten Müll gibt. Es können daher auch sehr gefährliche Stoffe in den Verbrennungsprozess gelangen.
Und noch eine Anmerkung zum Schluss: Frau Keilbach bezeichnet die swb an einer Stelle in ihrem Artikel als „Stadtwerke“. Das sind sie aber schon lange nicht mehr: Die swb gehören der EWE (bis auf eine Aktie, die Bremen behalten hat) und bei der EWE ist ein Hauptaktionär der Energieriese EON – bekannt auch durch seine Atomkraftwerke. Mit „regenerativer Energie“ und „Recycling“ hat das alles nichts zu tun: Hier geht es darum, wie mit Müll richtig viel Geld verdient wird.
Wolfgang Lange, Bremen
Orginal lesen auf total-recycling.org >>>
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